Erfolgsgeschichten
Fotos: (c)Romanus Fuhrmann
Die halbe Welt im Büro
Nach monatelanger Arbeitslosigkeit fand Birgit Lubitz durch Hamburg Plus einen neuen Job.
Rund zehn Monate war Birgit Lubitz arbeitslos. „Ich habe etliche Bewerbungen abgeschickt, aber mit 51 Jahren als Kauffrau für Bürokommunikation war ich offenbar vielen Arbeitgebern schon zu alt. Absurd“, sagt die lebhafte Blondine. Über die Agentur für Arbeit fand sie die Stellenausschreibung einer Handelsgesellschaft.
Ein Mitarbeiter von Hamburg Plus lud sie zum Vorstellungsgespräch ein, um erst mal eine Vorauswahl für Rasit Gönüllü, den Inhaber der Handelsgesellschaft, zu treffen. Die Chemie stimmte auf Anhieb, und nun arbeitet Birgit Lubitz schon fast ein Jahr bei der SES-Handels-GmbH in der Buchhaltung. „Wir importieren Werkzeuge, Fahrräder, Kinderreisebetten und noch vieles anderes aus China und vertreiben die Ware anschließend in ganz Europa über das Internet“, berichtet Birgit Lubitz.
Am Anfang sei es gar nicht so einfach gewesen. Im Umgang mit dem Computer hat die begeisterte Hobbygärtnerin zwar jahrelange Erfahrungen gesammelt, und auch in ihrem letzten Job bei einem Versicherungsmakler hat sie am PC gearbeitet - aber Internethandel sei ja noch mal etwas ganz anderes. Inzwischen hat sich Birgit Lubitz voll eingefuchst in die Materie und ist absolut begeistert, was sie in dem Jahr ihrer Tätigkeit alles dazu gelernt hat. „Außerdem wurde und werde ich ganz großartig von meinen Kollegen unterstützt“, schwärmt sie.
Am besten gefällt ihr, dass der kleine Betrieb so international ist: „Wir haben Mitarbeiter aus Polen, Spanien, Frankreich, Tunesien, Kolumbien, der Türkei und der Elfenbeinküste. Allein die Sprachenvielfalt, auf die wir beim internationalen Handel zurückgreifen können, ist toll.“
Die aktuellen Diskussionen über die Integration von Migranten in Deutschland verfolgt der begeisterte Ballett-Fan aufmerksam und oft fassungslos. „Ich rege mich sehr über Dummheit und Rassismus auf“, sagt Birgit Lubitz, „Oft haben diese Menschen überhaupt keine Berührung mit Menschen aus anderen Ländern. Letztlich ticken wir doch alle ähnlich. Wir wollen doch alle nur in Frieden leben.“
Der Mann von der Tankstelle
Yilmaz Gökkaya wagte den Sprung in die Selbstständigkeit– mit wenig Geld, aber jeder Menge Mut.
Hätte man vor 30 Jahren die Lehrer zu Yilmaz Gökkaya befragt, hätten sie wohl nur genervt abgewunken. Ein junger Hitzkopf mit türkischen Wurzeln mitten in Lokstedt. Ein Schlüsselkind, das weitgehend sich selber überlassen ist. Beide Eltern arbeiten hart, um der bitteren Armut in Anatolien zu entfliehen. Integration ist in der Familie kein Thema. Den Hauptschulabschluss schafft der Junge nur mit Mühe.
Ein glücklicher Zufall sorgte dafür, dass der junge Yilmaz mit 13 Jahren an einer Tankstelle ein Praktikum machen konnte. Der Pächter erkannte das Potential und bot dem Jungen an, in seiner Freizeit weiter im Betrieb zu arbeiten. Aus einem Nebenjob wurden 26 Jahre. Yilmaz Gökkaya lernte alles über Autos und den Betrieb einer Tankstelle, was man lernen kann – und nebenbei auch noch seine große Liebe Meral kennen.
„Ich hätte wohl immer so weiter gemacht“, sagt er heute. „Doch der alte Pächter ging in den Ruhestand, der neue träumte von Umstrukturierungen.“ Kein gutes Arbeitsklima mehr für Yilmaz Gökkaya und seine Frau Meral. Der Familienrat wurde einberufen, die Entscheidung für eine eigene Tankstelle fiel einstimmig. Unterstützung bei all den Formalitäten für einen eigenen Betrieb bekam Yilmaz Gökkaya von Hamburg Plus.
Inzwischen hat das Ehepaar neben der ersten Tankstelle in Bahrenfeld eine zweite in der Feldstraße eröffnet. 18 Mitarbeiter vervollständigen das Team, darunter vier Auszubildende. Junge Leute aus allen Teilen der Welt, denen Lehrer wohl auch heute kaum eine Chance geben würden. „An mich hat auch damals jemand geglaubt“, sagt Yilmaz Gökkaya, „daher betrachte ich es als eine Art Pflicht, mich auch um junge Leute aus so genannter schwierigen Verhältnissen zu kümmern. Meistens klappt das ganz prima. Jeder verdient eine Chance.“
Yilmaz Gökkaya ist stolz auf das, was er und seine Frau beruflich erreicht haben. Aber die größte Freude haben ihm seine beiden Kinder gerade bereitet. Die 20-jährige Tochter und der 17-jährige Sohn haben beide mit einem Einser-Durchschnitt ihr Abitur bestanden und wollen jetzt studieren. Fatma Pharmazie und Burak internationales Management. „Auch Kinder mit Migrationshintergrund können es schaffen“, sagt der begeisterte Vater.
Mit köstlichen Mahlzeiten zum Erfolg
Fatma Yavuz ist seit 13 Jahren erfolgreiche Gastronomin in Hamburg.
Mit einem strahlenden Lächeln geht Fatma Yavuz auf Besucher zu. Der erste Eindruck: 160 Zentimeter geballte Energie. Genau diese Energie ist es auch, die die 54-jährige Gastronomin so erfolgreich macht. Dabei stand am Anfang erst einmal eine Pleite.
Mit 17 Jahren folgt Fatma Yavuz den Eltern 1972 aus Istanbul nach Hamburg. Sie beginnt als ungelernte Arbeiterin im Kaufhaus Horten in der Küche. Dort wäre sie wohl auch geblieben. Aber das Warenhaus am Bahnhof muss schließen und Fatma Yavuz bekommt ein Angebot vom benachbarten Kaufhof. „Nach 26 Jahren bei Horten hätte ich beim Kaufhof wieder bei Null angefangen. Das wollte ich nicht“, erinnert sich die Mutter einer 22-jährigen Tochter.
Also nimmt Fatma Yavuz die Abfindung und ihre Ersparnisse und gründet damit ihren ersten eigenen Laden. „Mickleys Lunchbox“ an der Stadthausbrücke. Nur 36 Quadratmeter groß, aber dafür mit einer riesigen Speisekarte: 43 verschiedene Salate und täglich wechselnde warme Gerichte nach türkischen, italienischen und deutschen Rezepten. Vor sechs Jahren eröffnete die patente Unternehmerin direkt unter der S-Bahn Station Hammerbrook „Mickleys Lunchfood“. Hier haben die Gäste jetzt 1.500 Quadratmeter Platz.
Mit Hamburg Plus hat Fatma Yavuz einen perfekten Partner gefunden, wenn es darum geht, neue Mitarbeiter zu finden und Formalitäten zu klären. Fünf Mitarbeiter und ihr Ehemann Ibrahim unterstützen die Gastronomin im täglichen Geschäft.
In ihrer knappen Freizeit liebt Fatma Yavuz es, an der Alster spazieren zu gehen oder türkische Theateraufführungen zu besuchen. Aber viel Freizeit hat sie ohnehin nicht. Schließlich engagiert sie sich schon seit Jahren in dem Verein „Ellele“, was auf Deutsch „Hand in Hand bedeutet. „Wir kümmern uns um behinderte Menschen“, sagt Fatma Yavuz. „Wir sammeln Geld und organisieren medizinische Behandlungen. Gerade jetzt haben wir einem entzückenden Mädchen geholfen, die bis zu ihrem 18. Lebensjahr nicht laufen konnte. Jetzt kann sie gehen. Das ist wunderbar.“
